Tage auf See: 8
Seemeilen seit Azoren: 930
Seemeilen bis England: 239
Etmal (Seemeilen): 123
Kurs über Grund: 58 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 4,5 Knoten
Wind: West-Nordwest 3 - Nebel
Seegang: 0,5 Meter
Antrieb: Groß und Fock
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)
Die letzten 24 Stunden waren so abwechslungsreich, dass wir locker drei Einträge damit füllen könnten. Am besten fangen wir vorne bzw. da an, wo wir mit dem gestrigen Eintrag aufgehört haben. Also gedanklich zurück in die graue Flaute. Auch wenn es schade ist, dass bei Flaute kein Wind weht, so hat sie dennoch nicht nur Nachteile. Dadurch dass das Wasser so glatt ist, lässt sich viel mehr als sonst auf der Oberfläche entdecken. In unserem Fall jede Menge Delfine in der Ferne, Schildkröten, springende Fische und leider auch Müll. Wir stoppen die Maschine und lassen uns eine Weile treiben. Das scheint den Delfinen zu gefallen. Neugierig kommen sie näher. Erst zögern sie noch, aber dann machen sie HIPPOPOTAMUS mehr als zehn Minuten lang zu ihrem Mittelpunkt. Sie schwimmen ums Boot, springen vereinzelt und prusten. Wir sitzen an Deck, schauen zu und versuchen rauszukriegen, wer uns da besucht. Am Ende sind wir uns einig: Es ist eine Schule großer Tümmler.
Weiterfahrt in die Dämmerung. Die eine oder andere Delfinschule haben wir noch passiert und offensichtlich hat sich auch zu dem einen oder anderen Fischerboot herumgesprochen, dass die Gegend hier derzeit jagdtechnisch hoch im Kurs steht. Zumindest nimmt ihre Dichte rasch zu. Uns würde das nicht weiter interessieren, wenn sie nicht stur ihrem Fischfinder hinterherfahren würden. Daher ändern sie ständig ihren Kurs und wir haben das Gefühl, uns einen Weg dadurch suchen zu müssen. Zumal wir auch ungern mit einem ihrer langen Schleppnetze in Kontakt kommen wollen.
Die Nacht kommt. Rundumblick. Alles in Ordnung. Vier Fischer an Backbord, einer achteraus. Allerdings hören wir ein komisches Geräusch aus dem Motorraum. Eine Kontrolle ergibt, dass die Aufhängung der zweiten Lichtmaschine ausgeschlagen ist. Sie wird an einem Ende von zwei Gummibuchsen gelagert und das Gummi ist quasi nicht mehr vorhanden. Nun vibriert sie lustig im Takt der Drehzahl. In Ermangelung passender Ersatzteile demontieren wir sie, während wir neben den Fischern treiben und an Steuerbord ein Dampfer vorbei zieht. Nach einer halben Stunde sind alle Kabel abgeklemmt, der Alternator abgeschraubt und verstaut. Nun fahren wir erstmal nur mit der Haupt-Lichtmaschine weiter. Glücklicherweise haben wir zwei.
Als wir gerade das Werkzeug wegräumen wollen, erschrecken wir uns. Ziemlich dicht am Boot taucht in der Dunkelheit ein Wal auf und schießt lautstark mehrfach seinen Blas in die Höhe. Wir sehen ihn nicht, aber er muss sehr dicht sein. Das ist unheimlich. Wir fahren lieber mal weiter. Wahnsinn, wie viel Leben hier in diesem Teil des Atlantiks ist.
Kurze Zeit später sind die Fischer verschwunden. Wobei das nicht ganz richtig ist. Sie sind immer noch da und sie sind auch noch mehr geworden, aber wir sehen sie nicht mehr. Dichter Nebel umschlingt uns einmal mehr auf dieser Überfahrt. Geschätzte Sicht: 50 Meter. Dazu Nieselregen und schwacher Wind. Wir setzen die Segel und schleichen mit vier Knoten weiter.
Vier anstrengende Stunden bis zum Morgengrauen folgen. Immer wieder kommen wir an die Fischer bis auf eine halbe Meile heran. In Spitzenzeiten befinden sich acht Schiffe innerhalb des vier Meilen-Radius auf dem Radarschirm, die alle willkürlich durch die Gegend fahren. Außerdem passiert uns ein Dampfer in einer halben Meile Abstand und so haben wir alle Hände voll zu tun, bis sich der Nebel langsam lichtet. Puhh, das war anstrengend. Glücklicherweise sind wir technisch gut ausgerüstet und so haben wir uns zu keinem Zeitpunkt unsicher fühlen müssen. Ist schon toll, was sich in den letzten Jahren da alles auf dem Navigationsmarkt getan hat.
PS: Inzwischen ist es Mittag und es hat sich bereits wieder ein Nebelschleier über uns gelegt. Langweilig wird das hier wirklich nicht. Englischer Kanal wir kommen!