In England

29. July 2010 - 12:15

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Gesamtzeit auf See: 10 Tage, 1 Stunde und 45 Minuten
Seemeilen seit Azoren: 1.178
Schnitt: 4,9 Knoten (so langsam waren wir wohl noch nie)

Zu unserer Freude setzte am gestrigen Nachmittag ein schöner West-Nordwest-Wind mit bis zu fünf Windstärken ein. Raumschotsbrise! Da läuft HIPPOPOTAMUS. Vor allem werden wir auch noch zusätzlich durch die Tidenströmung beflügelt. Stellenweise rauschen wir mit acht Knoten in Richtung Isles of Scilly.

Allerdings nicht ewig. Am Morgen schläft der Wind ein und die Tide kippt. Nun kommt sie auf den Kopf. Und so werden die letzten 20 Meilen noch recht lang. Aber auch das geht vorbei. Wir runden Bishop Rock und erreichen sieben Meilen später die Einfahrt zum wunderschönen New Grimsby Sound. Grüne, schroffe Hügel, Wattlandschaft, eine alte Burg und ankernde Yachten. Das alles bei strahlendem Sonnenschein wohlgemerkt. Was für ein Kaiserwetter nach den grauen Tagen. Während Möwen kreischen fällt der Anker bei völliger Flaute in das glasklare Wasser des Sundes (schade, dass es nur 14 Grad hat – sonst wären wir schon reingesprungen).

Hier werden wir vermutlich drei Tage bleiben und dann geht es weiter in den Englischen Kanal hinein. Aber das erzählen wir ein anderes Mal. Mit diesem Eintrag endet nun erstmal unser tägliches Live-Logbuch. Es war das letzte auf unserer Reise, da nun nur noch kürzere Etappen vor uns liegen. Bis zur Ankunft in Hamburg berichten wir somit nur noch in der alten Form, wie es vor der Überfahrt auch der Fall war. Das heißt auch, dass wir ab nun wieder Update-Emails senden, wenn es Neuigkeiten gibt.

Viele Grüße
Judith und Sönke

Wetter und Delfine sind gemein

28. July 2010 - 15:05

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Tage auf See: 9
Seemeilen seit Azoren: 1.042
Seemeilen bis England: 132
Etmal (Seemeilen): 113
Kurs über Grund: 63 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 3,0 Knoten
Wind: West-Nordwest 2-3 Bft.
Seegang: 0,5 Meter
Antrieb: Groß und Fock
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Was ist das nur für eine triste Überfahrt! Fünf Tage müssen wir im Logbuch zurückblättern, um den letzten Eintrag zu finden, in dem das Wort Sonne vorkommt. Seit Tagen hängt über uns eine erdrückend dichte Wolkendecke ohne Kontur. Wahlweise regnet es dazu oder Nebel umhüllt uns. Nun wird der eine oder andere von Euch zu entgegnen wissen, dass man in Europas Waschküche Nummer 1, dem Englischen Kanal, wohl nicht viel anderes zu erwarten hat. Auch kann man sagen, dass wir uns nicht so anstellen sollen - schließlich sind wir ja Hamburger und wer kennt nicht den Begriff Schmuddelwetter aus dem Norden. Dennoch fragen wir uns, ob die hier nicht auch mal Sommer haben? Immerhin waren wir mehr als zwei Jahre in den Tropen. Wir sind verwöhnt!

Warten wir es mal ab. Wir werden den Sommer schon noch finden. Nun ist auch nicht alles schlecht. Es gibt durchaus auch Lichtblicke. Hunderte Lichtblicke. Oder anders gesagt: Hunderte Delfine. In den letzten Tagen besuchen sie so zahlreich unser Schiff, dass wir das Wetter darüber nahezu vergessen. Oft kommen sie in großen Gruppen und spielen mit dem Bug. Begeistert stehen wir auf dem Vorschiff und sehen dem quietschenden Treiben zu. Es wird einfach nicht langweilig. Vereinzelt springen die putzigen Tiere sogar bis zu drei Meter weit und platschen dann lautstark durch den grauen Wasserteppich zurück in die Tiefe. Sind sie in der Luft, können wir gut ihre Konturen sehen. Auf der Seite haben sie ein Muster, das an eine Eieruhr erinnert. Ein klares Anzeichen dafür, dass es sich um den Common Dolphin handelt.

Im Deutschen heißen die fröhlichen Zeitgenossen übrigens nicht Common Dolphin, sondern Gemeiner Delfin. Allerdings weniger, weil es sich um gemeine Meeresbewohner handelt, die den Weg versperren, Verkehrskontrollen auf See durchführen oder uns auf Untiefen führen. Nein. Vielmehr ist dies die unglückliche Übersetzung von Common - dem englischen Wort für üblich oder allgemein. Irgendwie gemein. Da entsteht ein ganz falscher Eindruck. Hoffentlich ist das mit dem Wetter auch so. Bestimmt. Wahrscheinlich stecken der Übersetzer und das Wetter einfach nur unter einer Decke bzw. Wolkendecke. ;-)

Abwechslungsreiche Stunden

27. July 2010 - 15:20

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Tage auf See: 8
Seemeilen seit Azoren: 930
Seemeilen bis England: 239
Etmal (Seemeilen): 123
Kurs über Grund: 58 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 4,5 Knoten
Wind: West-Nordwest 3 - Nebel
Seegang: 0,5 Meter
Antrieb: Groß und Fock
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Die letzten 24 Stunden waren so abwechslungsreich, dass wir locker drei Einträge damit füllen könnten. Am besten fangen wir vorne bzw. da an, wo wir mit dem gestrigen Eintrag aufgehört haben. Also gedanklich zurück in die graue Flaute. Auch wenn es schade ist, dass bei Flaute kein Wind weht, so hat sie dennoch nicht nur Nachteile. Dadurch dass das Wasser so glatt ist, lässt sich viel mehr als sonst auf der Oberfläche entdecken. In unserem Fall jede Menge Delfine in der Ferne, Schildkröten, springende Fische und leider auch Müll. Wir stoppen die Maschine und lassen uns eine Weile treiben. Das scheint den Delfinen zu gefallen. Neugierig kommen sie näher. Erst zögern sie noch, aber dann machen sie HIPPOPOTAMUS mehr als zehn Minuten lang zu ihrem Mittelpunkt. Sie schwimmen ums Boot, springen vereinzelt und prusten. Wir sitzen an Deck, schauen zu und versuchen rauszukriegen, wer uns da besucht. Am Ende sind wir uns einig: Es ist eine Schule großer Tümmler.

Weiterfahrt in die Dämmerung. Die eine oder andere Delfinschule haben wir noch passiert und offensichtlich hat sich auch zu dem einen oder anderen Fischerboot herumgesprochen, dass die Gegend hier derzeit jagdtechnisch hoch im Kurs steht. Zumindest nimmt ihre Dichte rasch zu. Uns würde das nicht weiter interessieren, wenn sie nicht stur ihrem Fischfinder hinterherfahren würden. Daher ändern sie ständig ihren Kurs und wir haben das Gefühl, uns einen Weg dadurch suchen zu müssen. Zumal wir auch ungern mit einem ihrer langen Schleppnetze in Kontakt kommen wollen.

Die Nacht kommt. Rundumblick. Alles in Ordnung. Vier Fischer an Backbord, einer achteraus. Allerdings hören wir ein komisches Geräusch aus dem Motorraum. Eine Kontrolle ergibt, dass die Aufhängung der zweiten Lichtmaschine ausgeschlagen ist. Sie wird an einem Ende von zwei Gummibuchsen gelagert und das Gummi ist quasi nicht mehr vorhanden. Nun vibriert sie lustig im Takt der Drehzahl. In Ermangelung passender Ersatzteile demontieren wir sie, während wir neben den Fischern treiben und an Steuerbord ein Dampfer vorbei zieht. Nach einer halben Stunde sind alle Kabel abgeklemmt, der Alternator abgeschraubt und verstaut. Nun fahren wir erstmal nur mit der Haupt-Lichtmaschine weiter. Glücklicherweise haben wir zwei.

Als wir gerade das Werkzeug wegräumen wollen, erschrecken wir uns. Ziemlich dicht am Boot taucht in der Dunkelheit ein Wal auf und schießt lautstark mehrfach seinen Blas in die Höhe. Wir sehen ihn nicht, aber er muss sehr dicht sein. Das ist unheimlich. Wir fahren lieber mal weiter. Wahnsinn, wie viel Leben hier in diesem Teil des Atlantiks ist.

Kurze Zeit später sind die Fischer verschwunden. Wobei das nicht ganz richtig ist. Sie sind immer noch da und sie sind auch noch mehr geworden, aber wir sehen sie nicht mehr. Dichter Nebel umschlingt uns einmal mehr auf dieser Überfahrt. Geschätzte Sicht: 50 Meter. Dazu Nieselregen und schwacher Wind. Wir setzen die Segel und schleichen mit vier Knoten weiter.

Vier anstrengende Stunden bis zum Morgengrauen folgen. Immer wieder kommen wir an die Fischer bis auf eine halbe Meile heran. In Spitzenzeiten befinden sich acht Schiffe innerhalb des vier Meilen-Radius auf dem Radarschirm, die alle willkürlich durch die Gegend fahren. Außerdem passiert uns ein Dampfer in einer halben Meile Abstand und so haben wir alle Hände voll zu tun, bis sich der Nebel langsam lichtet. Puhh, das war anstrengend. Glücklicherweise sind wir technisch gut ausgerüstet und so haben wir uns zu keinem Zeitpunkt unsicher fühlen müssen. Ist schon toll, was sich in den letzten Jahren da alles auf dem Navigationsmarkt getan hat.

PS: Inzwischen ist es Mittag und es hat sich bereits wieder ein Nebelschleier über uns gelegt. Langweilig wird das hier wirklich nicht. Englischer Kanal wir kommen!

Dicht am Nichts

26. July 2010 - 16:25

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Tage auf See: 7
Seemeilen seit Azoren: 807
Seemeilen bis England: 360
Etmal (Seemeilen): 111
Kurs über Grund: 63 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 5,7 Knoten
Wind: Flaute mit Nebel
Seegang: 0,0 Meter
Antrieb: Motor
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Rekordetmale bringen wir hier derzeit zwar nicht zu Stande, aber dafür erleben wir den ruhigsten Törnabschnitt unsere Reise um den Globus. Wollten wir jemanden behutsam an das Thema Ozeanpassagen heranführen, dann wäre dies hier genau die richtige Überfahrt dafür. Windtechnisch passiert, wie sich somit unschwer erraten lässt, nicht viel. Außer vielleicht, dass er langsam schwächer wird und dabei schleichend von West nach Nord dreht. Eine Überraschung ist das nicht, steht es doch so auch im jüngsten Gribfile. Immerhin bis drei Uhr in der Früh können wir segeln.

Dann ist Schluss. Das kleine Rad des Windmessers bleibt stehen und die Werte der Logge stürzen wie Aktienkurse beim Börsencrash in den Keller. Flaute. Die See wird ruhig, Nebel zieht auf. Konturen verwischen. Mit dem Morgengrauen wird die gespenstische Szenerie mit Licht gefüllt. Mehr als hundert Meter Sicht sind nicht drin. Um uns herum ist nichts. Die See ist grau, der Himmel ist grau. Alles ist grau. Trist und trübe. Sönke schläft und Judith überwacht mit Radar und AIS die Grauzone. Kontakte gibt es kaum. Lediglich in drei Meilen Entfernung zieht das Frachtschiff MSC BREMEN auf Gegenkurs vorbei. Judith sieht es beim Rundumblick nicht.

Inzwischen hat sich der Nebel ein wenig gelichtet und den Blick auf die gespenstische Weite um uns herum freigegeben. Das Grau wirkt größer, lichter, weiter. Der Ozean wabert bleiern und nur unser Kielwasser kräuselt den Einheitsbrei. Gut nur, dass wir hier nicht ein Teil von Michael Endes Fantasie-Buch DIE UNENDLICHE GESCHICHTE sind. Andernfalls müssten wir annehmen, dass in vier Himmelrichtungen das NICHTS liegt.

Zwei Erfahrungen

25. July 2010 - 16:50

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Tage auf See: 6
Seemeilen seit Azoren: 696
Seemeilen bis England: 470
Etmal (Seemeilen): 113
Kurs über Grund: 48 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 3,8 Knoten
Wind: Nordwest 3 Bft.
Seegang: 0,5 Meter
Antrieb: Groß und Fock
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Wettermäßig passiert nicht viel und insofern schleichen wir weiter mit Groß und Fock in Richtung England. Da berichten wir doch lieber von zwei Erfahrungen, die wir bzw. Sönke seit gestern morgen machen durfte(n):

Erfahrung Nummer Eins: Drei Tage lang haben wir unseren einzigen noch intakten Angelköder hinterher gezogen. Eine blau-orange Tintenfisch-Imitation. Ohne Erfolg. Gestern Mittag beschließt Sönke, dass das Stück Gummi sein Geld nicht wert ist und es wohl sinnvoller wäre, nach einer Alternative zu suchen. Die Schwierigkeit ist jetzt nur, dass unsere Köder alle kaputt, zerfressen, zerblichen, zer-sonst-noch-was sind. Nützt ja nichts. Wir beschließen, einer Tintenfisch-Imitation in rot-grün noch eine letzte Chance zu geben. Die Farben sind allerdings kaum noch zu erkennen und der Haken total verrostet. Also genau genommen besteht der Köder fast nur noch aus Haken. Zu oft haben wir ihn schon eingesetzt. Zu oft haben wir schon Fische damit rausgeholt. Er hat ausgedient. Um die Sache kurz zu machen. Zehn Minuten später liegt ein schöner Großaugenthunfisch im Cockpit. Da hatten wir wohl erst aufs falsche Pferd gesetzt. In Zukunft angeln wir wieder mit den alten Köderresten. Wieder was gelernt.

Erfahrung Nummer Zwei: So gegen zwei Uhr am Morgen macht Sönke einen Rundumblick. Der Nebel ist weg. Er kann weit gucken, aber es ist nichts zu sehen. Eine Kontrolle des Radarschirms führt zum selben Ergebnis. Zehn Minuten später befindet sich beim nächsten Rundumblick links vom Bug in unmittelbarer Nähe über dem Horizont ein klares grünes Licht. Wo kommt das denn her? Erneuter Blick auf den Radarschirm. Mühsam lässt sich alle vier oder fünf Runden auf dem Schirm ein winziges Echo in 0,3 Seemeilen Abstand erkennen. Wieder raus. Durchs Fernglas lassen sich schemenhaft zwei Segel erahnen. Gemütlich zieht der andere vor unserem Bug durch. Ein Funkkontakt kommt nicht zu Stande (das Geisterschiff antwortet nicht) und kaum, dass der unbekannte Segler vorbei ist, erlischt sein Licht und er verschwindet wieder in der Nacht. Irgendwie unheimlich. Scheinbar ist nichts, wie es scheint und wenn sich alle so verhalten, wird es nachts auf dem Wasser lustig. In Zukunft werden wir das Radar noch stärker im unmittelbaren Nahbereich beobachten. Noch was gelernt.

Nebel

24. July 2010 - 14:05

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Tage auf See: 5
Seemeilen seit Azoren: 583
Seemeilen bis England: 580
Etmal (Seemeilen): 114
Kurs über Grund: 43 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 5,1 Knoten
Wind: West 3-4 Bft.
Seegang: 0,5 Meter
Antrieb: Passatsegel
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Eigentlich ist der für Nebel berüchtigte Englische Kanal noch mehr als 500 Seemeilen entfernt, trotzdem können wir hier gerade nicht sehr weit gucken. Schätzungsweise zehn Schiffslängen Sicht sind uns auf diesem sonst so weiten Ozean geblieben. Vielleicht sind die Engländer immer noch sauer wegen der 4:1-Klatsche bei der Fußball-Weltmeisterschaft und stehen nun alle am Ufer und pusten gemeinsam den Nebel auf den Atlantik.

Egal. Sicherlich gibt es bessere Situationen, aber im Zeitalter von AIS und Radar hat der Nebel auch auf einem kleinen Sportboot an Schrecken verloren. Zumindest auf dem großen weiten Ozean. Der Schiffsverkehr hier draußen ist ja bekanntermaßen nicht sehr dicht. Das letzte Fahrzeug haben wir heute Nacht gesehen. Ein Schleppverband, der sich im Schatten der Nacht mühsam mit vier Knoten seinen Weg nach Südosten gebahnt hat.

Segeltechnisch ist ansonsten alles in Ordnung. Der Wind weht zwar weiterhin nur leicht, aber immerhin weht er noch. Vor dem Bug wartet in hundert Meilen Entfernung bereits die nächste Flaute auf uns und so genießen wir, dass wir mit den Passatsegeln immer noch seit gestern Morgen mit rund fünf Knoten gut vorankommen.

Sonst passiert nicht viel. Wir lesen, hören Musik, schlafen ausgiebig, essen viel und freuen uns, dass wir inzwischen mehr als die Hälfte der Strecke geschafft haben. Und nicht zuletzt machen wir alle zehn Minuten einen Rundumblick im Cockpit. Viel Sinn macht das bei der Suppe zwar nicht, aber wir haben dadurch das Gefühl, uns nicht nur auf die Technik zu verlassen. Sicher ist sicher.

Segeln vom Feinsten

23. July 2010 - 17:45

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Tage auf See: 4
Seemeilen seit Azoren: 469
Seemeilen bis England: 687
Etmal (Seemeilen): 112
Kurs über Grund: 35 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 4,5 Knoten
Wind: West-Südwest 2-3 Bft.
Seegang: 0,5 Meter
Antrieb: Passatsegel
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Stahlblauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Dazu keine Welle. Gute Laune, gute Bücher. Judith zaubert ein leckeres chinesisches Pfannengericht in der Pantry zusammen. Abendessen im Cockpit (Foto). Sonnenuntergang, Mondaufgang, Nachtanfang. Weiterhin keine Wolke am Himmel. Nur der Erdtrabant und einige Sterne begleiten uns, während wir mit viereinhalb Knoten dahinzuckeln. Segeln vom Feinsten? Nein, leider nicht. Es gibt einen Schönheitsfehler: Unser Motor läuft, weil weit und breit kein Windhauch zu erhaschen ist. Wir sind im Kern des Hochs.

Am frühen Morgen erreichen wir jedoch endlich seine andere Seite. Das bringt nach den Tagen mit Gegenwind den lang ersehnten Südwestwind mit sich. Er ist schwach, aber da sich bisher keine nennenswerte See aufgebaut hat, kommen wir trotzdem mit bis zu fünf Knoten gut voran. Wie schon so oft leisten die Passatsegel treue Dienste und HIPPOPOTAMUS fährt wie auf Schienen. Nun aber: Segeln vom Feinsten.

Dem nicht genug ist dann eben zu allem Überfluss auch noch für mindestens zehn Minuten ein mehr als zwanzig Meter langer Finnwal ganz dicht am Schiff mitgeschwommen. Etwas aufgeregt waren wir da schon. Immerhin ist ja in Südafrika kürzlich ein Wal auf eine Yacht gesprungen. Gut nur, dass in unserem Buch für die Walbestimmung steht, dass Finnwale sich nicht für Boote interessieren.

Zeitlupe

22. July 2010 - 13:01

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Tage auf See: 3
Seemeilen seit Azoren: 357
Seemeilen bis England: 794
Etmal (Seemeilen): 103
Kurs über Grund: 80 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 4,2 Knoten
Wind: Nord-Nordost 2-3 Bft.
Seegang: 1,0 Meter
Antrieb: Gross und Fock
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

An Bord passiert zurzeit wenig. Lesen, schlafen, lesen und ein paar Emails beantworten. Allerdings ist da nicht so richtig Elan hinter. Vielmehr läuft das alles eher in Zeitlupe ab. Vielleicht liegt das daran, dass England nur sehr schleppend näher kommt, weil wir Gegenwind haben und gemütlich dahin kreuzen. Phasenweise bricht der Wind sogar ganz ein und wir nehmen den Motor für ein paar Stunden dazu. In den letzten 24 Stunden haben wir 103 Seemeilen gesegelt und nur 93 zum Ziel gut gemacht. Viel ist das nicht. Egal. Denn irgendwie ist es ja auch schön, wenn der Wind so sanft weht. Keine knarrenden, ächzenden Schoten, kein Rodeoreiten, kein Festkeilen. Stattdessen Muße und Erholung. Nacken kraulen, Buch lesen, Zeit haben.

Insofern ist es gut, dass das hier gerade so langsam voran geht. Immerhin ist dies die letzte längere Ozeanpassage auf unserer Weltreise. Viele Passagen liegen hinter uns. Es war nicht immer einfach, aber der Mensch neigt ja dazu, die schönen Dinge in Erinnerung zu behalten und die schlechten zu vergessen. Gut so. Dazu gehören sicher auch die unzähligen und unvergessenen Himmelsschauspiele, wie es sie nur auf einer Ozeanpassage zu erleben gibt. Wasser, Himmel und Licht. 360 Grad Horizont. Die Weite. Die Freiheit. Das alles wird uns nach der Rückkehr fehlen. Warten wir es ab. Jetzt genießen wir erstmal das Leben in Zeitlupe.

Alles im Grib

21. July 2010 - 15:10

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Tage auf See: 2
Seemeilen seit Azoren: 254
Seemeilen bis England: 886
Kurs über Grund: 46 Grad
Geschwindigkeit über Grund: 3,9 Knoten
Wind: Nord 3 Bft.
Seegang: 1,0 Meter
Antrieb: Gross und Fock
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Zu unserer Langstreckensegelroutine (tolles Wort) gehört unter anderem, dass wir jeden Tag ein neues Gribfile mit Wetterdaten abfordern. Für diejenigen unter Euch, die das nicht kennen, sei ergänzt, wie das funktioniert. Vereinfacht dargestellt, senden wir eine Email mit den Eckkoordinaten des Gebietes, für das wir Wetterinformationen benötigen sowie dem gewünschten Vorhersagezeitraum an eine bestimmte Emailadresse in einem vorgegebenen Format. Rund 30 Sekunden später erhalten wir dann eine Antwortemail samt einer Datei (Gribfile) mit den Wetterinformationen zurück. Mittels eines passenden Programms können wir uns dann die Wettervorhersage ansehen.

Für uns ist diese Abfrage unsere tägliche Ziehung der Lottozahlen. Auf den Passatwindrouten in den Tropen fällt diese Ziehung eher unspektakulär aus. Meist gewinnen wir bei der Windrichtung. Lediglich die Stärke ist fraglich. Auf dem Weg nach England sieht das nun ganz anders aus. Sah es vor zwei Tagen noch so aus, als wenn sich das Azorenhoch nach Nordosten verlagert und uns viel Flaute bringt, gibt es seit heute leider eine andere Aussicht. Nach dem neuesten Gribfile wächst und gedeiht über Spanien munter ein Tief, das uns ab Ende der Woche für mehrere Tage Gegenwind bringen wird. Schöner Mist.

Gut nur, dass das noch ein paar Tage hin ist. Da kann noch viel passieren. Und gut auch, dass sich am Horizont bereits die nächste Wetteränderung ankündigt (Foto). Und überhaupt: Morgen gibt es eine neue Ziehung der Wetterzahlen und dann sehen wir weiter. Erstmal haben wir die Situation hier im Grib.

Wettertaktik

20. July 2010 - 15:05

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Tage auf See: 1
Seemeilen seit Azoren 133
Seemeilen bis England 994
Kurs ueber Grund: 20 Grad
Geschwindigkeit ueber Grund: 6,4 Knoten
Wind: West 5 Bft.
Seegang: 1,5 Meter
Antrieb: Gross und Fock
Daten von 08:00 Uhr (Deutschland -2 Std.)

Gestern Morgen um acht Uhr haben wir den Motor gestartet und sind gemuetlich aus der Marina durch die Flaute zum 15 Seemeilen entfernten Westende der Insel Sao Miguel getuckert. Laut Wettervorhersage sollte uns dort ein leichter Suedwestwind erreichen. Stimmt. Wir setzen die Passatsegel und HIPPOPOTAMUS nimmt Fahrt auf.

Leider soll das aber nicht lange so bleiben. Zumindest sagt die Wetterprognose, dass sich ab heute Abend eine zweitaegige Phase mit schwachem Gegenwind einstellt und sich anschliessend das Azorenhoch genau ueber unserer Strecke nach England ausbreitet. Wuerden wir den direkten Weg nach England waehlen, bedeutet das Flaute im Hochkern. Halten wir uns zu weit Steuerbord, bekommen wir Gegenwind. Zu weit Backbord hingegen weht Rueckenwind.

Somit ist die taktische Entscheidung fuer den weiteren Fahrtverlauf schnell getroffen. Wir halten uns Backbord und laufen erstmal mit Kurs Nordnordost am Ziel England vorbei - in der Hoffnung, auf der richtigen Seite vom Hoch segelbaren Wind zu erhalten. Vermutlich gibt das einen Umweg von rund 150 zusaetzlichen Seemeilen. Aber das ist besser, als die Strecke zu motoren.

Ansonsten ist alles bestens. Das Segeln macht Spass und es geht uns gut. Warten wir mal ab, was die naechsten 24 Stunden so bringen. Wettertechnisch wird es sicher nicht langweilig.

Morgen geht es los

18. July 2010 - 13:50

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Hier ist soweit alles klar und morgen früh stechen wir nach fünf Wochen auf den Azoren in See, um nach England zu den Isles of Scilly zu segeln (hoffentlich dürfen wir uns da nach dem 4:1 noch blicken lassen). Die Wetterprognose ist in Ordnung und so hält uns hier nicht mehr viel. Allerdings ist die Vorhersage für die Strecke auch nicht sehr sicher, weil es erfahrungsgemäß schwer zu sagen ist, wo das Azorenhoch hinwandert. Mit Camaret sur Mer an der französischen Küste haben wir allerdings noch eine weitere Anlaufstelle im Hinterkopf. Warten wir es ab.

Ab Dienstag findet ihr an dieser Stelle dann wieder täglich eine Meldung von uns. Heute gibt es wie vor jeder längeren Passage aber schon mal die Karte mit der Übersicht zum geplanten Törnverlauf.

Viel Spaß beim Mitlesen

Judith und Sönke